Ein Besuch bei der Bogenschützengruppe

Zunächst war die Atmosphäre in der großen, kalten Halle, unter grellem Neonlicht wenig einladend. Mist, warum hatte ich Petra Sund bloß zugesagt, mir das Training 'mal anzugucken und hin und wieder Berichte auf die Schulhomepage zu stellen?

Das Durcheinanderwuseln der, mit teurem und zudem gefährlichem Gerät hantierenden, Prinzen und Prinzessinnen lässt Böses ahnen. Nun sitz ich da und bringe unter Anstrengung ein wenig anerkennendes Lächeln und zustimmendes Kopfnicken auf. Schießsport löst in mir sowieso eher ambivalente Assozationen aus. Und wie bitte schön will unser Laissez faire-verwöhnter Haufen genügend Disziplin für einen - in dieser Hinsicht überaus anspruchsvollen Sport - aufbringen? Gut, Petra kann ja manchmal ein richtiger Schießhund sein (Vorsicht: Kalaueralarm), die wird die Truppe schon im Griff haben.

Also, einfach nicht auffallen und zugucken, dann krieg ich auch meinen ersten Eindruck verdaut und hab Platz für neue Gedanken ... Schon doll, wie die eine und die andere in all dem Trubel ihre Pfeile sicher in die Mitte der Scheibe trifft. Zufall oder Glück?

Nein, da passiert etwas ganz Faszinierendes. Ich meine, wir kennen alle diese Bilder von Spitzensportlern, wie sie sich kurz vor ihrer Aufgabe sammeln und konzentrieren. Genau diese Bilder, hier in der Hinterweltshalle in Bassum zu sehen, und dann noch von unseren PrinzHöfte-Schülern, das hat mich überrascht.

Höchstkonzentration auf den Punkt, kontrollierte Atemzüge, der ganze Körper angespannt, die perfekte - hunderte Male eingeübte - Haltung suchend, so läuft jeder einzelne Schuss ab. Bei all dem Durcheinander und Gesabbel, Lachen und Fluchen steht jeder, der gerade dran ist, fest auf seiner Position, sucht - und findet meist auch - die Ruhe in sich selbst.

Überhaupt - in sich selbst - da findet dieser ganze Sport statt. Bis auf die Neuen, die noch ein wenig ungeduldig sind, wissen das alle. Auch der Wettkampf, wo es um Titel und Meisterschaften geht, ist ein Wettbewerb nur gegen sich selbst. Und wer erlebt, wie er sich stetig aus eigener Kraft verbessert, der will mehr.

Die nötige Disziplin findet sich in jedem einzelnen, in den ritualisierten Bewegungsabläufen und in der strikten Einhaltung von Sicherheitsregeln. Kein einziger Fuß ist während der Schießphasen über der Markierung zu sehen. Die Pfeile werden erst auf Kommando zurück geholt. Ohne Ungeduld wird gewartet, bis der Letzte alle Pfeile verschossen hat.

Ich bin höchst beeindruckt. Nicht nur von den vielen echten Talenten in dieser Gruppe, auch die Anmut, Stärke und Sicherheit, die alle ausstrahlen, bleiben nicht ohne Wirkung. Zusammen mit der etwas archaisch wirkenden Ausstattung wie Köcher, Brust- und Armschutz macht das einen sehr respekteinflößenden Eindruck.

Das zum Teil sehr teure und technisch-futuristisch anmutende Gerät lässt die aufkeimende Indianerromantik allerdings im Keim ersticken. Petra weiß, welche Materialschlachten im Landes- und Bundeskader geschlagen werden. Auf diesen Ebenen geht es nur noch um Nuoncen, da macht das richtige Material den Unterschied und entscheidet über den Erfolg.

 

Naja, könnte man meinen, bei uns geht es ja mehr um den Spaß. Von wegen. Einige unserer Amazonen sind so gut, dass sie am Bundeskadertraining teilnehmen. Für dieses Niveau ist eine Ausstattung für rund 1.000 € die unterste Sparversion.

Ein Selbstversuch

Sichtlich angepiekst von der ausgestrahlten Leichtigkeit und dem doch immerhin zu ahnenden Können, welches dahinter stecken muss, will ich mein Bild durch einen Selbstversuch abrunden. Als Rechtshänder bin ich doch selbstverständlich auch Rechtsschießer, so fange ich an, die passende Ausstattung zusammen zu suchen. Weit gefehlt. Strecken Sie einmal Ihre Arme weit nach vorn und bilden mit den Händen ein kleines Guckloch. Nun visieren Sie durch das Loch ein weit enferntes Ziel an. Na, mit welchem Auge schauen Sie durchs Loch? Das Auge bestimmt, in welcher Hand Sie Pfeil und Bogen halten. Nach diesem Test werde ich kurzerhand zum gefühlten Linkshänder umgepolt. Zunächst sehr verunsichert, merke ich schnell, dass es sich irgendwie gewohnt anfühlt, die Sehne und den Pfeil mit der linken Hand zu führen.

Bevor es aber soweit ist, muss der richtige Stand ausgelotet und die komplizierte Technik - schieß ich mit oder ohne Klicker? - justiert werden. Dann endlich, der Pfeil liegt an seinem Platz, Körperspannung, Rücken - wie nochmal?, Hüfte, Schultern und das Atmen nicht vergessen ...

Um die Sehne weit zu spannen, brauche ich schon eine Menge Kraft. Dennoch, die Energie, die sich aus dem Zusammenspiel von Bogen, Sehne und meinem Arm entwickelt und anstaut, ist um ein Vielfaches größer. Ich kann sie zwischen linkem Ohr, meiner Nase und dem Kinn wahrhaftig spüren. Das ist so beeindruckend, dass ich den ersten Versuch abbrechen muss. Ich habe richtig Angst, den Griff zu lösen und den Pfeil abzuschießen.

Alle lachen. Irgendwie wähne ich mich jetzt aber im Kreis der Wissenden. Ich glaube so ein ähnliches Gefühl hatte wohl auch jeder von ihnen bei seinem ersten Schuss. Da spürt man nämlich wieder das Archaische, die Macht und Kraft, die in dieser einfachen Handlung steckt. Man bekommt eine Ahnung von der Wirkung, die dieses Geschoss hervorrufen wird.

Ich durfte mir übrigens mehr als nur eine Ahnung von dieser Wirkung verschaffen. Mein Armschutz war bei den ganzen Vorbereitungen verrutscht, sodass sich mein ungeschützter Unteram als prima Landebahn für die Sehne angeboten hatte. Sehr schmerzhaft!
 
Insgesamt ist das Ergebnis dann doch sehr ernüchternd. Auf 5 Meter habe ich das mehr als quadratmetergroße Ziel zwei Mal unten rechts grade noch so getroffen.

Fazit

Ein faszinierender Sport, der Eigenverantwortung, Konzentration, eigenmotivierte Disziplin und das Selbstbewustsein fördert.

Petra, Du leistest da eine ganz tolle Arbeit. Ich habe Dich als Hilfe anbietende, motivierende und liebevolle Trainerin erlebt - ganz im Sinne unserer Schule. (Auch wenn ein Großteil Deiner Zeit als Flick- und Zeugwart drauf geht.)

Die Schüler der Bogenschießgruppe sind alle Mitglied der Sportschützengilde Bremen-Bassum e. V. und damit Teil des dortigen Jugendteams. Das ermöglicht unseren Schülern die hervorragenden Trainingsbedingungen in der Schießsportanlage am Sportcenter In-Joy in Bassum. Diese großzügige und moderne Anlage wiederum ist dem Enthusiasmus des Bassumer Kaufmanns und Vereinsgründers Horst-Dieter Jobst geschuldet, der sich ganz dem Schießsport verschrieben hat und dabei immer die Jugendarbeit im Blick behält.

 

Britta Singer

 

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